05.10.17

Kinder erkunden das Hospiz

Am „Türöffner-Tag“ der „Sendung mit der Maus“ hat sich erstmals auch das Hospiz Esslingen beteiligt. Rund 25 Kinder hatten sich eingefunden, um zu erfahren, was sich hinter den Türen des Hospiz abspielt. Sie wurden in verschiedenen Gruppen von ausgebildeten Kinder- und Jugendtrauerbegleiterinnen durch das Haus geführt.

© U. Rapp-Hirrlinger

„Hospize sind Einrichtungen, in denen Menschen gut leben und gut sterben können“, erklärt Susanne Kränzle, die Gesamtleiterin des Hospiz Esslingen, bei der Begrüßung der Gäste. Dann geht’s für die jungen Besucher durchs Haus, während ihre Eltern sich bei Mitarbeiterinnen des Hospiz über die ambulante und stationäre Hospizarbeit informieren.

Die Kinder erfahren von den Trauerbegleiterinnen Claudia Landenberger, Helga Eckermann und Jutta Grywatz, „dass im Hospiz schwer kranke Menschen unterkommen, die wissen, dass sie in absehbarer Zeit sterben müssen“, und dass diese nicht Patienten, sondern Gäste genannt werden. Anders als im Krankenhaus tragen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch ganz normale Kleidung. Dass es im Hospiz nicht nur traurig zugeht, erzählt Kunsttherapeutin Vera von Harrach, die mit den Gästen malt oder bastelt. „Es wird hier viel gelacht“, sagt sie. Die acht Plätze im stationären Hospiz sind nur ein kleiner Teil der Arbeit, viel mehr Menschen werden von Ehrenamtlichen zuhause begleitet, betont von Harrach, die selbst ehrenamtlich tätig ist: „Damit sie wissen, wie man mit Sterbenden gut umgeht, bekommen sie eine spezielle Schulung.“

Gemeinsam essen wie zuhause

Im Pflegebad berichtet Landenberger, wie sehr es manche Gäste genießen, ein Bad zu nehmen. „Wir stellen Kerzen auf und manche trinken auch ein Glas Sekt.“ Auch das Essen sei im Hospiz wichtig. In der Küche am großen runden Esstisch versammeln sich all die Gäste, die noch aufstehen können, und auch Angehörige und Mitarbeitende essen mit ihnen gemeinsam. „Das ist wie zuhause“, sagt Landenberger.

Kerzen erinnern an Verstorbene

Nachdenklich werden die jungen Besucher, als sie in der Gedenk-Ecke die brennende Kerze sehen, die immer dann angezündet wird, wenn ein Mensch im Hospiz verstorben ist. Auch vor der Zimmertür der Verstorbenen brennt eine Laterne. „Die Verstorbenen werden nicht sofort abgeholt. Angehörige und Freunde wünschen sich oft noch Zeit, um Abschied zu nehmen“, erklärt Landenberger. Jeder Name eines Verstorbenen werde in ein Buch eingetragen, „damit er nicht verloren geht“.

Ein Kästchen für die Erinnerungen

Weil Erinnerungen wichtig sind, dürfen die Kinder nach dem Rundgang Erinnerungskästchen gestalten. „Tut Dinge hinein, die euch an jemanden oder etwas erinnern, den oder das ihr verloren habt“, rät von Harrach. Ronja wird darin eine Kette verwahren, die ihr ihr Opa vor dem Tod schenkte, ein anderes Mädchen Erinnerungen an eine Schulfreundin, die weit wegzog.

Sprechen über eigene Verluste

Dann sprechen die Kinder über eigene Verluste – den Tod der Großeltern oder anderer Angehöriger, aber auch Tiere, die starben. „Kommen hier auch Kinder her?“, will ein Mädchen wissen und erfährt, dass nur Erwachsene im Esslinger Hospiz aufgenommen werden können. „Wird Leuten auch verschwiegen, dass sie sterben müssen“, fragt Helen. „Das kommt vor, dass Angehörige das nicht sagen wollen. Aber die Menschen spüren es trotzdem“, erklärt Landenberger. Charlotte will wissen: „Seid ihr auch über Nacht hier?“. Es sei ganz wichtig, dass immer jemand da ist, erklärte Landenberger. „Denn manche Menschen haben auch Angst.“

"Ich finde es ganz toll, dass es so etwas wie das Hospiz gibt“, meint ein Mädchen zum Schluss. Die Kinder bekommen ein Lob zurück: „Es war sehr mutig von euch, dass ihr hergekommen seid“, sagte Susanne Kränzle zum Abschied, bevor die Kinder mit ihren Eltern und einem kleinen Schutzengel das Hospiz verlassen.

 

Weitere fotografische Eindrücke vom Türöffner-Tag gibt es hier