31.07.19

Beeindruckt von der Arbeit im Hospiz

Sozialminister Manne Lucha machte auf seiner diesjährigen Sommertour im Hospiz Esslingen Station, um sich ein Bild von der Einrichtung und der Arbeit im Hospiz zu machen und zeigte sich beeindruckt von der besonderen Atmosphäre.

© U. Rapp-Hirrlinger

© U. Rapp-Hirrlinger

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Susanne Kränzle, die Gesamtleiterin des Hospiz, führte den Minister und seine Begleitung sowie weitere Gäste, darunter die Esslinger Landtagsabgeordneten Andrea Lindlohr (Grüne) und Nicolas Fink (SPD) sowie Bürgermeister Markus Raab, durch das Haus. „Diese Würdigung tut uns gut“, sagte Dekan Bernd Weißenborn bei seiner Begrüßung. Gemeinsam mit Siegfried Bessey, dem Vorsitzenden der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen, die Trägerin des Hospiz ist, informierte er den Minister über die Beweggründe, die Entstehung und die Organisation des Hospiz.

Man habe sich nicht zufällig für einen Besuch im Esslinger Hospiz entschieden, sagte Lucha. Susanne Kränzle, die auch Vorsitzende des Hospiz- und PalliativVerbands Baden-Württemberg ist, sei eine wichtige Partnerin auf diesem Feld. Für hospizliche Anliegen sei Susanne Kränzle „die fachliche und empathische Lokomotive“. Die Kirche übernehme mit dem Betrieb des Hospiz gesellschaftliche Verantwortung, sagte Lucha an Weißenborn gewandt: „Es tut gut, Sie in dieser Sache an unserer Seite zu wissen.“ Mit ihrem Dienst an den sterbenden Menschen setze die Kirche ein Zeichen für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe. Diesen Geist spüre man im Hospiz Esslingen. „Niemand sollte das Gefühl haben, alleine gelassen zu werden, vor allem nicht am Lebensende.“

Weißenborn verwies auf die lange kirchliche Tradition der Hospizarbeit, die es im ambulanten Bereich in Esslingen seit mehr als einem Vierteljahrhundert gibt. Rund 60 Ehrenamtliche leisten hier Dienst. Zehn bis 15 sind darüber hinaus auch regelmäßig im stationären Bereich tätig, so Ulrike Vogelmann, die stellvertretende Leiterin des ambulanten Bereichs. Die Ehrenamtlichen packen tatkräftig bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten mit an, vor allem aber haben sie Zeit für die Gäste und deren Angehörige. Viele Gespräche und Begegnungen entstünden am großen Esstisch in der Wohnküche, erzählte Frauke Hinkelbein-Stöckel, die seit vielen Jahren ehrenamtlich im Hospizdienst mitarbeitet. Auch besondere Wünsche wie etwas Spezielles zum Essen, werden im Hospiz erfüllt. Dafür sei in Kliniken oder Pflegeheimen schlicht keine Zeit, sagte Dorothea Gölz-Most, die als Pfarrerin m Hospiz für die Seelsorge zuständig ist.

Die Ehrenamtlichen seien in intensivem Austausch mit den 25 hauptamtlichen Pflegekräften, die alle in Teilzeit arbeiten, erklärte Sylvia Schulze, die stellvertretende Pflegedienstleiterin im stationären Bereich. Sie habe im Hospiz menschlich viel dazugelernt, sagte Rebekka Krickl, die im Hospiz ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert hat. „Ich bin offener gegenüber fremden Menschen geworden. Die Arbeit hier erfordert aber auch viel Mut.“

Das Hospiz Esslingen positioniert sich eindeutig gegen Sterbehilfe. Die Wertschätzung, die den Menschen entgegengebracht würde, lasse Suizidgedanken in den Hintergrund treten, betonte Kränzle, die beim Bundesverfassungsgericht als sachkundige Person für Sterbehilfe gefragt ist. „Die hospizliche Versorgung ermöglicht es, das Leben bis zum Ende gut auszuhalten.“

Das Hospiz habe bewirkt, dass man in Esslingen über Sterben und Tod offener sprechen könne, sagte Lindlohr. „Das ist ein großer Wert, den man in Esslingen spürt.“ Der Frage nach würdevollem Sterben soll auch ein neues Projekt des Hospiz nachgehen. Man wolle die Erfahrungen im Hospiz mit Pflegeeinrichtungen und Kliniken teilen, aber auch umgekehrt, sagte Kränzle. „Wir legen unser Wissen zusammen“, so das Ziel.

Für Fink, der die Anfänge des Hospiz noch aus seiner Zeit als Aichwalder Bürgermeister kennt, hat man im Hospiz von Anfang an zwei Dinge richtig gemacht: neben der hohen Fachlichkeit sei dies die starke emotionale Bindung weit über Esslingen hinaus. Diese Bindungen zu erhalten, sei ein wichtiges Anliegen und zeige sich auch darin, dass im Hospizbeirat Menschen aus vielfältigen gesellschaftlichen Bereichen vertreten sind, sagte Bessey. Auch wenn das Hospiz eine von der evangelischen Kirche getragene Einrichtung sei, soll es ein offenes Haus sein, in dem Menschen aller Religionen, Kulturen und Lebenseinstellungen Aufnahme finden, betonte Weißenborn. „Es soll ein Haus sein, in dem alle Menschen gut sterben können. Es ist aber auch ein Haus des Lebens.“