27.12.13

„Der Geist muss spürbar sein“

„Es ist eine große, aber auch schöne Herausforderung, ein ganzes Haus künstlerisch zu gestalten“, sagt die Plochinger Textilkünstlerin Verena Könekamp. Sie hat von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen den Auftrag bekommen, das künstlerische Konzept für das Hospizhaus zu entwerfen, das derzeit in Oberesslingen entsteht. Sie hat sich dafür viel Zeit genommen, hat immer wieder die Räume des ehemaligen Pfarrhauses und des neuen Anbaus besucht und sich mit der Leiterin des Hospizes und dem Architekten über das inhaltliche und architektonische Konzept abgestimmt.

Verena Könekamp in ihrem Atelier - Foto: URH

Thematisch orientiert sich die Künstlerin an dem Wort aus dem Johannesevangelium „Ich bin die Tür, wenn jemand durch mich hineingeht, der wird selig werden.“ Die offene Tür sei ein gutes Symbol, sagt Könekamp. „Es öffnet sich etwas. Wie die Geburt ist das Sterben ein zentraler Moment im Leben. Man weiß nicht, was hinter der Tür kommt.“

 

Schon früh im Leben hat sich die 50-Jährige mit dem Tod befasst. „Man muss sich im Leben mit dem Tod auseinandersetzen“, findet sie. „Angesichts des Sterbens merkt man, was wichtig ist im Leben, und dass es noch etwas anderes, Höheres gibt.“ Am Lebensende wie am Beginn des Lebens sei der Glaube elementar. Das soll auch im Hospizhaus spürbar werden. „Die Menschen werden eine von Spiritualität erfüllte Umgebung aufnehmen“, ist sie überzeugt.

 

Obwohl in evangelischer Trägerschaft, soll das erste stationäre Hospiz im Landkreis Esslingen Menschen aller Konfessionen und Religionen offenstehen. Für Verena Könekamp bedeutet dies, dass die christliche Symbolik zurückhaltend sein soll. „Doch der Geist muss spürbar sein.“ Sie hat deshalb eine Bildsprache gewählt, in der die christliche Symbolik für den erkennbar ist, der sich darauf einlässt, aber für jede andere Glaubensrichtung ebenso ihre tröstliche Botschaft hat.

 

Kunstwerke ermöglichen Einkehr

 

Für das Foyer hat sie ein großes Bild entworfen. Streifen mit Farbverlauf von Rot Gelb und Grau führen auf ein goldenes Zentrum hin. „Das Gold steht für Licht, für Jesus“, erklärt die Künstlerin. Die Streifen könne man aber auch als Lebensabschnitte verstehen, die einen Weg beschreiben. Im Raum der Stille, in dem Angehörige auch übernachten können, soll ein quadratisches Bild zur Meditation anregen. Auf changierendem Weiß bildet ein Quadrat aus Blattgold die Mitte. „Das Bild soll innere Einkehr ermöglichen und die Verbindung zu einer geistigen Welt schaffen“, erläutert Könekamp. Als „Erdung“ stellt sie sich darunter ein Möbelstück aus Holz etwa in Form eines Tisches vor.

 

Eine Wand im Esszimmer wird ein vier Meter breites Triptychon erhalten. Auch hier bildet das Gold wieder den zentralen Bezugspunkt. „Farbverläufe von Violett-Blau über Gelb- und Orangetöne symbolisieren den Weg ins Licht“, so die Künstlerin. Im Flur des Altbaus soll schließlich auf einem Bild in Rottönen das themagebende Bibelwort in verschiedenen Sprachen zu lesen sein.

 

Menschen sollen sich getröstet fühlen

 

Die Kunstwerke druckt Verena Könekamp in ihrem Atelier im Dettinger Park in Plochingen im Siebdruckverfahren auf transparentes, sogenanntes „Lichtgewebe“. Im Esslinger Hospizhaus soll eine offene, friedliche Atmosphäre herrschen, in der Menschen sich willkommen und getröstet fühlen, in der es aber auch möglich ist, bisher Ungesagtes anzusprechen. „Ich wünsche mir, dass Menschen am Ende ihres Lebens hier Frieden finden und ohne zu hadern gehen können. Ich will mit meiner Kunst unterstützen, dass sie ihr Leben positiv abschließen können“, sagt die Künstlerin.

 

Viele Objekte für kirchliche Räume

 

Verena Könekamp hat große Erfahrung mit textilen Objekten für öffentliche oder kirchliche Räume. Ihre Kunstwerke hängen in Häusern der Diakonie Stetten und in der Technischen Universität Berlin, sie hat Meditations- und Gottesdiensträume gestaltet und den Raum des Abschieds im Geriatrischen Zentrum Esslingen-Kennenburg entworfen. Die Bühnenwandgestaltung des Evangelischen Gemeindehauses am Blarerplatz in Esslingen stammt ebenso von ihr wie das Altarbild im Andachtsraum des Plochinger Johanniterstifts.