19.11.13

Breite Unterstützung für ein „Herzensanliegen“

Das erste stationäre Hospiz im Landkreis Esslingen nimmt konkrete Formen an. Der Umbau des 1824 erbauten ehemaligen Pfarrhauses samt Anbau gegenüber der Martinskirche in Oberesslingen liegt gut im Zeit- und Finanzierungsplan. In einem halben Jahr soll Eröffnung sein. „Es soll ein schöner Ort werden, der es Menschen ermöglicht, in Würde und Frieden zu sterben, dafür lohnt es, sich einzusetzen und auch so viel Geld auszugeben“, erklärt Dekan Bernd Weißenborn, warum die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen sich dieser großen Herausforderung stellt. „Es ist uns ein Herzensanliegen“, betont er.

Hospizhaus - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

Die Gesamtkosten von 2,7 Millionen Euro werden ohne Haushaltsmittel der Gesamtkirchengemeinde und auch ohne Kredite finanziert, sondern nur aus Spenden, Vermächtnissen, Zuschüssen und Gottesdienstopfern. Die Gesamtkirchengemeinde bringt darüber hinaus das Grundstück und das Gebäude sowie den Erlös aus einem Vermächtnis ein. Doch vor allem die vielen großen und kleinen Spenden in Höhe von insgesamt 1,7 Millionen Euro hätten überhaupt ermöglicht, dass das Projekt realisiert werden könne. „Das Thema bewegt die Menschen“, hat Weißenborn in vielen Gesprächen erfahren. Er freut sich besonders, dass die Unterstützung aus dem ganzen Landkreis kommt, denn das Hospizhaus werde allen Menschen im Landkreis offen stehen – unabhängig von Wohnort, Religion oder Konfession.

Dauerhafte Unterstützung leistet auch der Förderverein Hospiz. Er hat unter anderem zugesagt hat, in den ersten drei Jahren jährlich 30 000 Euro vom Defizit des laufenden Betriebs zu übernehmen. Weißenborn rechnet damit, dass anfangs jährlich 150 000 Euro zugeschossen werden müssen. Auch hierfür sammelt die Kirche Spenden. Bisher sind für den Betrieb des Hauses knapp 250 000 Euro eingegangen.

Helle Räume

Die Bauarbeiten seien im Zeitplan, erläuterte Architekt Jens Könekamp. Die acht Gästezimmer für schwerstkranke und sterbende Menschen, die nicht mehr therapiert werden können, werden hell und mit möglichst natürlichen Materialien ausgestaltet. Vor allem den Neubau hat Könekamp sehr transparent geplant. Große Glasflächen geben den Blick frei in den Garten. Mit der künstlerischen Ausgestaltung wurde die Plochinger Textildesignerin Verena Könekamp beauftragt.

Im Haus wird es auch Räume für den ambulanten Hospizdienst Esslingen sowie für Angehörige geben. Auch das Personal ist inzwischen gefunden. Insgesamt gibt es 9,5 Stellen für Pflegekräfte. Alle haben Erfahrung in der Palliativbehandlung. Dazu kommen Hauswirtschaftskräfte. Susanne Kränzle, die Leiterin des Hospizes, freut besonders, dass Ehrenamtliche der verschiedenen ambulanten Hospizdienste im Landkreis im Hospiz mitarbeiten und sterbenskranke Menschen begleiten werden. Die ärztliche Versorgung übernehmen niedergelassene Ärzte. Die evangelische Pfarrerin Dorothea Gölz-Most wird für das Hospizhaus zuständig sein, aber auch andere Seelsorger aller Konfessionen und Glaubensgemeinschaften können sich dort einbringen.

Den eigenen Rhythmus leben

Kränzle macht klar, dass das Hospiz ein Angebot für Menschen sein soll, die aus unterschiedlichen Gründen nicht zuhause oder im Pflegeheim versorgt werden können. Das stationäre Hospiz solle eine Ergänzung zu den bestehenden Angeboten sein. Sie ist sicher, dass Bedarf für die acht Betten besteht. Im Haus dürfen die Gäste, anders als in Klinik oder Pflegeheim, nach ihrem eigenen Rhythmus leben und ihren Tag nach ihren Bedürfnissen gestalten. Neben der medizinischen Versorgung gibt es vielfältige Angebote der psychosozialen und seelsorgerlichen Unterstützung. „Wir betrachten den Menschen als ganzheitliches Wesen, haben Körper, Seele und Geist im Blick“, erklärt Kränzle. Das soll sich auch in der Betreuung im Hospiz widerspiegeln.

Das Hospizhaus wird am 4. April 2014 eröffnet. Mitte April sollen dann die ersten Gäste einziehen.