18.12.20

„Wir machen das Beste draus“

Hospiz Esslingen ist bisher gut durch die Corona-Pandemie gekommen und schult Mitarbeitende für Schnelltests.

„Niemand findet die Situation toll, aber wir machen das Beste draus“ – Mit dieser Devise sei das Hospiz Esslingen bisher gut durch die Corona-Pandemie gekommen, erklärt Susanne Kränzle, die Gesamtleiterin der von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen getragenen Einrichtung mit acht stationären Plätzen und einem großen ambulanten Hospizdienst.

Am schwierigsten sei es für Mitarbeitende wie Hospizgäste gewesen, sich an das Abstandhalten zu gewöhnen. „Wir leben von der Nähe. Es hat etwas gedauert, bis wir uns klar gemacht haben, dass wir andere Formen finden können.“ Wenn kein Körperkontakt möglich ist, könne sich Nähe durch Zuverlässigkeit und Zeit ausdrücken. „Einfach da zu sein und Zeit zu schenken, hilft gegen die Einsamkeit“, weiß Kränzle. Auch in Schutzkleidung könne man so Nähe vermitteln. „Ihr seid die Gleichen ob mit oder ohne Schutzausrüstung“, sagte sie ihren Mitarbeitenden. „Inzwischen ist eine gute Routine eingekehrt.“

Schutzmaterial allerdings war im Frühjahr rar. So lange konnten keine neuen Gäste aufgenommen werden, was eine niedrigere Belegung zur Folge hatte. Insgesamt konnte man in diesem Jahr nur etwa 60 Menschen im Hospiz begleiten, sonst sind es rund 100. Auch die vor Aufnahme nötigen Corona-Tests und die Quarantäne hätten vieles verzögert. Zudem seien die Sterbenskranken und ihre Angehörigen zurückhaltender, unter anderem aus Angst vor einem Shutdown, der Besuche verhindert hätte. Doch diese waren immer möglich, wenn auch eingeschränkt, versichert Kränzle. Zwei Personen dürfen einen Hospizgast täglich besuchen. Dafür wurde mehr telefoniert oder per Skype-Anruf kommuniziert. Die Angehörigen hätten überwiegend mit großem Verständnis reagiert. „Sie sind selbst sehr vorsichtig“, weiß Kränzle.

In der aktuellen „zweiten Welle“ sei man gut ausgerüstet. Schutzmaterial und auch Schnelltests gebe es ausreichend, sagt Kränzle. Zwei negative Tests müssen Neuzugänge vor der Aufnahme im Hospiz vorweisen, danach geht es fünf Tage in Quarantäne. Bewährt habe sich auch, dass man den ganzen Sommer die Maßnahmen nicht runtergefahren habe. Nur wer unbedingt muss, wird ins Haus gelassen. Fiebermessen ist selbstverständlich geworden.

Alle Mitarbeitenden trügen die Schutzmaßnahmen mit. „Sie sind sehr verantwortungsvoll, auch im privaten Bereich“, freut sich die Hospizleiterin. Hier habe sich erneut das Konzept bewährt, dass im Hospiz überwiegend Teilzeitkräfte arbeiten. So hatten sie immer Zeit, sich vom anstrengenden Dienst zu erholen.

Schwierig war es zuweilen, den ambulanten Hospizdienst im vollen Umfang aufrecht zu erhalten. Die Pflegeheime machten dicht und auch für die ambulanten Kräfte fehlte zunächst Schutzmaterial. „Viele der Ehrenamtlichen gehören zudem selbst zur Risikogruppe und der Dienst ist selbstverständlich freiwillig“, betont Kränzle. Inzwischen seien die Pflegeeinrichtungen dankbar, dass Hospizbegleitung wieder möglich ist. Im stationären Hospiz hätten Hauptamtliche Dienste der Ehrenamtlichen übernommen.

Auch an Weihnachten wird die Zahl der Besucher auf zwei Personen pro Tag begrenzt sein. „Ein Weihnachten mit äußerem Abstand, das ist eine große Herausforderung für uns alle, und umso mehr, wenn es sich wie bei uns um schwerstkranke Menschen handelt, für die es mutmaßlich das letzte Weihnachtsfest ist“, erklärt Kränzle. Alle Mitarbeitenden seien hoch motiviert, das Fest und den Jahreswechsel so schön und so sicher wie möglich zu machen. Dafür gab es u. a. gerade eine Schulung der Pflegekräfte für die Durchführung der Antigen-Schnelltests bei Angehörigen, Mitarbeiterinnen und Hospizgästen, die eine gute Ergänzung zu allen anderen Schutzmaßnahmen seien.