18.03.13

Der Gesellschaft verpflichtet

„Es geht mir gut im Leben. Das sehe ich auch als Verpflichtung, der Gesellschaft etwas zurückzugeben“, sagt Elisabeth Elsner. Die Esslingerin und ihre Brüder haben deshalb den Bau des Hospizhauses, das die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen in Oberesslingen errichtet, mit einem namhaften Betrag unterstützt. „Es ist schön, dass wir als Familie diese Möglichkeit haben“, sagt sie.

Elisabeth Elsner - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

Elisabeth Elsner - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

Die 58-Jährige wurde früh im Leben mit Sterben und Tod konfrontiert. Als sie sechs Jahre alt war, starb ihr Vater ganz plötzlich an einem Herzinfarkt. „Ich habe damals erfahren, dass der Tod in jedem Augenblick in das Leben einbrechen kann. Vielleicht habe ich mich deshalb so tiefgreifend mit diesem Thema auseinandergesetzt.“

 

Als 1991 in Esslingen die erste Hospizgruppe gebildet wurde, habe sie diese Idee spontan angesprochen, erzählt die gelernte Körpertherapeutin, die heute eine Praxis für Sehtraining hat. Elisabeth Elsner ließ sich im Rahmen der Vorbereitung für Hospizeinsätze schulen und arbeitete einige Jahre lang in der ehrenamtlichen ambulanten Hospizarbeit mit.

 

Sie gibt unumwunden zu, dass dies ein schwerer wenn auch wichtiger Dienst war. „Es kommen ganz existenzielle Fragen hoch und oft auch Spannungen in Familien, wenn Angehörige todkrank sind. Dies habe sie als belastend erlebt bei manchen Einsätzen. „Ich kam mir oft sehr hilflos vor.“ Deshalb hat sie große Hochachtung vor den Menschen, die sich im stationären wie im ambulanten Bereich um Sterbende und ihre Angehörigen kümmern.


Ort für Sterbende und Angehörige

 

Dass nun in Esslingen im ehemaligen Pfarrhaus der Martinskirche ein stationäres Hospiz entsteht, findet Elisabeth Elsner wichtig. „Dadurch haben Betroffene einen Ort, an den sie sich hinwenden können und wo sie professionelle Unterstützung bekommen. Das Hospiz bietet zugleich einen Rahmen jenseits aller Dramatik und Bedrückung, die oft im familiären Umfeld angesichts des bevorstehenden Endes eines Lebens herrschen.“ Die professionelle Begleitung könne viele Ängste und Sorgen nehmen. Wie wichtig die gute Betreuung Sterbender ist, hat Elisabeth Elsner auch ganz persönlich erlebt, als vor einiger Zeit ihre Patentante im Sterben lag. „Sie zu begleiten war für mich eine Gnade.“


Es sei ihr ein Bedürfnis, dazu beizutragen, einen solchen Raum zu schaffen, an dem Sterbende begleitet und Angehörige entlastet werden. Vor allem in Zeiten, in denen immer mehr Menschen allein leben oder Angehörige weit entfernt wohnen, komme der stationären wie der ambulanten Hospizarbeit immer größere Bedeutung zu. Sie selbst könne sich durchaus vorstellen, am Ende des Lebens in ein Hospiz zu gehen.


Überzeugendes Konzept

 

„Das Konzept des Esslinger Hospizhauses hat mich überzeugt“, sagt Elisabeth Elsner. Dass das Hospizhaus in einem christlichen Geist – und dabei offen für alle Konfessionen und Religionen – geführt werden soll, entspricht ihrer Lebenseinstellung: „Wenn es einem gut geht durch Gottes Güte, ist das eine Aufforderung, etwas weiterzugeben. Wenn ich mehr habe, als ich brauche, soll das in Projekte fließen, die ich unterstützenswert finde“, begründet sie ihr Engagement. „Wir brauchen Menschen wie Sie, die so überzeugt hinter dem Hospizhaus stehen“, bedankte sich Projektleiter Horst-Peter Enge im Namen von Dekan Bernd Weißenborn für die großzügige Unterstützung.