17.08.16

Sabine Schöttner-Becker nimmt Abschied

© Ulrike Rapp-Hirrlinger

Sabine Schöttner-Becker vor dem Hospiz

Eigentlich wollte Sabine Schöttner-Becker bis zum Ruhestand im Hospiz bleiben. So gut gefällt ihr die Arbeit dort. Nun verlässt die 52-Jährige, die den stationären Bereich mit 16 Pflegekräften und zwei Hauswirtschafterinnen leitet, nach gut zwei Jahren das Hospiz Esslingen. Die gelernte Krankenschwester, Palliativ-Fachfrau und Mutter dreier erwachsener Söhne nimmt Ende August Abschied vom Hospiz, um gemeinsam mit ihrem Mann in ihre Heimat Hessen zurückzukehren.

Im Gespräch mit Ulrike Rapp-Hirrlinger erklärt sie, wie es dazu kam.

Warum verlassen Sie das Hospiz?

Das sind familiäre Gründe. Meine Familie braucht mehr Unterstützung und da muss ich einfach in der Nähe sein. Außerdem hat mein Mann einen neuen Arbeitsplatz in Hessen angetreten. Wir haben schon einmal einige Zeit eine Wochenend-Ehe geführt. Das war nicht so schön.


Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Sehr! Schließlich haben wir das Hospiz gemeinsam aufgebaut. Mir wird das menschliche Miteinander sehr fehlen. Wir sind ein so harmonisches Team von Haupt- und Ehrenamtlichen. Alle machen eine tolle Arbeit – jeder mit seinem individuellen Charakter und seinen Gaben. Ich bin ein Team-Mensch und sie werden mir alle fehlen.


Wie haben Sie die Arbeit im Hospiz empfunden?
Sie ist sehr schön. Hier kann und darf man sich Zeit für die Menschen nehmen und ich bin immer dicht dran an unseren Gästen. Der Umgang miteinander ist etwas ganz Besonderes. Ich habe hier viele beeindruckende Lebensgeschichten gehört und wirkliche Persönlichkeiten kennengelernt. Natürlich ist der Umgang mit Sterbenden manchmal auch schwer. Etwa, wenn sie noch jüngere Kinder haben. Sehr mitgenommen hat uns alle auch der Tod eines jungen Mannes, der vor gut einem Jahr im Hospiz verstorben ist. Er war so alt wie einer meiner Söhne. Es ist schwer, wenn eine Lebensgeschichte nicht vollendet ist.


Was hat Ihnen am meisten Freude bereitet?

Dass wir den Menschen noch ein Stück Lebensqualität geben können. Es ist nicht immer nur traurig im Hospiz. Wir haben auch viel Freude miteinander. Es wird oft gelacht!


Was braucht man, um gut im Hospiz arbeiten zu können?
Ganz viel Einfühlungsvermögen, damit man erspüren kann, was der einzelne Gast jetzt gerade benötigt. Man braucht einen guten Austausch im Team, aber auch Rückhalt außerhalb. Mein Mann ist ein sehr guter Zuhörer und auch der Sport ist für mich ein wichtiger Ausgleich.


Was haben Sie im Hospiz gelernt?
Viel über den Umgang mit Sterbenden, aber auch viel für mich selbst. Ich lebe wesentlich bewusster und gehe anders mit meiner Lebenszeit um. Ich frage mich häufiger, was wirklich wichtig ist. Und bei mir ist jetzt eben gerade die Familie wichtiger.


Wie geht es für Sie beruflich weiter?
Ich werde als Pflegedienstleitung in einem Pflegeheim arbeiten, kann mir aber gut vorstellen, einmal wieder in einem Hospiz zu arbeiten. Meine Nachfolge wird Claudia Dippon übernehmen, die schon von Anfang meine Vertretung übernommen hat.