10.09.15

Nicht von, sondern an der Hand eines Menschen sterben

Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg, hat zusammen mit dem Esslinger Dekan Bernd Weißenborn gestern das Esslinger Hospiz besucht. Sie bedankten sich bei allen in der Sterbebegleitung haupt- und ehrenamtlich Tätigen. Angesichts der aktuellen Debatte über assistierten Suizid sprachen sich beide Theologen für eine menschliche Begleitung am Lebensende und den Ausbau der Hospiz- und Palliativ-Versorgung im Land aus.

B. Weißenborn, S. Bessey, Vors. GesamtKGR, S. Schöttner-Becker, Bereichsleiterin, D. Kaufmann, J. Löffler

Esslingen/Stuttgart, 10. September 2015. Neben den Zeiten der Leistungsfähigkeit, der Gesundheit und des Genießens sei es wichtig, auch die dunklen und schweren Zeiten des Lebens auszuhalten. Die Nähe anderer Menschen helfe dann weiter. „Deshalb muss die Diskussion über die Sterbehilfe zu der Frage führen, wie wir Menschen am Ende ihres Lebens begleiten können“, sagte Oberkirchenrat Dieter Kaufmann. Der Dienst im Esslinger Hospiz sei dafür beispielhaft.
„Wir sind sehr dankbar, dass wir das Hospiz haben“, sagte Dekan Bernd Weißenborn. Nach einem guten Jahr seines Bestehens werde das „Kompetenzzentrum Hospiz“ mit dem Angebot auch der ambulanten Pflege sehr geschätzt. „Unsere Stimme wird, gerade auch angesichts der Diskussionen über den assistierten Suizid, gehört und unser Dienst an sterbenden Menschen und ihren Angehörigen wahrgenommen.“ Politiker auf Landes- und Bundesebene hätten sich informiert und das Angebot gelobt. Auch werde das Hospiz mit seinen acht Betten gut von der Esslinger Bürgerschaft unterstützt. Allerdings sei jetzt eine nachhaltige Finanzierung notwendig. Dafür, so Kaufmann, setze sich das Diakonische Werk Württemberg auf politischer Ebene ein.

Weißenborn und Kaufmann bedankten sich bei den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Sie leisten laut Kaufmann und Weißenborn einen unverzichtbaren Dienst für schwer kranke Menschen und ihre Angehörige. Für eine gute Begleitung am Lebensende sei jeder Einzelne, aber auch die Gesellschaft gefragt. „Gerade am Umgang mit schwer kranken und sterbenden Menschen zeigt sich der Zustand einer Gesellschaft“, ist Kaufmanns Überzeugung. Deshalb brauche es eine breite Förderung der palliativen Versorgung und der Hospizarbeit.

Juliane Löffler, stellvertretende Leiterin des Hospizes, freut sich, dass sich ambulante Pflege und stationäres Hospiz gut ergänzen. Im vergangenen Jahr seien 170 Menschen zuhause und 70 Gäste im Hospiz begleitet worden. „Für viele ist es der rettende Anker, im Hospiz sterben zu dürfen.“ Ihr sei wichtig, dass „Menschen nicht von, sondern an der Hand eines anderen Menschen sterben“.

Von den 16 Hospizen in Württemberg sind 10 in evangelischer oder ökumenischer Trägerschaft, neben Esslingen beispielsweise in Stuttgart, Leonberg, Backnang und Bietigheim. Zudem gibt es 195 Hospizgruppen in Württemberg, die sterbende Menschen zuhause, im Krankenhaus oder Pflegeheim begleiten – davon 70 in evangelischer und 42 in katholischer Trägerschaft. Das Diakonische Werks Württemberg unterstützt in Konzeption, Baufragen und Weiterbildung.