10.04.13

Laufen für das stationäre Hospiz

Laufen ist die große Leidenschaft von Johannes Schultheiß. Im vergangenen Jahr hat der Esslinger Diplomingenieur und Bäckermeister sein Hobby in den Dienst der guten Sache gestellt. Um das Esslinger Hospizhaus zu unterstützen, das die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen in Oberesslingen baut, hat er sieben Langstreckenläufe in sieben Monaten absolviert und dabei 250 Kilometer und 6700 Höhenmeter zurückgelegt.

Projektleiter Horst-Peter Enge, Susanne Kränzle, Johannes Schultheiß, Dekan Bernd Weißenborn und Pfarrer Peter Schaal-Ahlers (v.l.) – Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Projektleiter H.-P. Enge, S. Kränzle, J. Schultheiß, B. Weißenborn und P. Schaal-Ahlers (v.l.) – Foto: U. Rapp-Hirrlinger

In seinem Freundes- und Bekanntenkreis warb der 63-Jährige vorab um Sponsoren, die jeden zurückgelegten Kilometer mit einer bestimmten Summe unterstützten. Knapp 27 000 Euro hat Johannes Schultheiß so „erlaufen“. Dabei scheute er keine Strapazen: Bergläufe mit teilweise bis zu 3000 Metern Höhendifferenz, Stadtläufe und Marathons forderten die Kondition. Vor allem aber der Ultramarathon von Schwäbisch Gmünd über eine Strecke von 50 Kilometern bei teilweise widrigem Wetter ging an die Substanz. „Das Laufen wird  so zum Sinnbild des Lebens. Am Ende wird es einsam“, sagt der „Hospizläufer“.


„Sie haben dem Hospizhaus Beine gemacht“, blieb Dekan Bernd Weißenborn bei der Spendenübergabe im Bild. Ihm imponiert, dass Johannes Schultheiß mit seiner „tollen Aktion“ nicht nur den Bau des Hospizhauses mit einer „gigantischen Summe“ unterstützt und so das Projekt entscheidend befördert, sondern auch die Idee unter die Leute gebracht hat. Das Thema Hospiz in die Gesellschaft zu tragen, war Johannes Schultheiß ein großes Anliegen.


Durchhaltevermögen lohnt sich

 

„Es ist schön, wenn man sein Hobby für eine gute Sache einsetzen kann“, meinte Schultheiß bei der Übergabe der Spende. „Ich wollte mich einsetzen für eine Gruppe, die keine Lobby in der Gesellschaft hat.“ Am Anfang wusste der „Hospizläufer“, der mit eigens kreierten Hospizhaus-T-Shirts an den Start ging, nicht, wie viele Läufe er absolvieren würde. Pfarrer Peter Schaal-Ahlers, selbst einer der gut 60 Unterstützer, erzählt schmunzelnd vom Erstaunen der Sponsoren über das Durchhaltevermögen des Hospizläufers. Manch einer habe bange bemerkt: „Oh je, jetzt läuft er nochmal.“ Denn Schultheiß hielt seine Sponsoren mit ausführlichen Berichten auf dem Laufenden. Alle hielten ihre Abmachung ein. Manch einer hat am Ende die versprochene Summe sogar noch erhöht.


Großes Zeichen der Solidarität

 

„Auf der einen Seite die Einsamkeit des Läufers, auf der anderen das Engagement eines Freundeskreises, das ist eine ganz besondere Sache“, sagt Pfarrer Schaal-Ahlers. Für Susanne Kränzle, die Leiterin des Hospizhauses, ist die Aktion von Schultheiß „ein großes Zeichen von Solidarität“.

 

Weißenborn hofft, dass noch mehr Menschen solch kreative Ideen entwickeln und sich für das Hospizhaus einsetzen. Denn nicht nur für Bau und Einrichtung muss die evangelische Kirche in Esslingen gut 2,7 Millionen Euro aufbringen. Auch der laufende Betrieb wird nach der Eröffnung, die auf Anfang 2014 terminiert ist, einen jährlichen Zuschuss von rund 150 000 Euro erfordern. „Das Haus braucht dauerhafte Unterstützung“, betont Pfarrer Schaal-Ahlers.

 

Mehr zum "Hospizläufer"