09.04.19

Das Hospiz hat in der Gesellschaft etwas verändert

Vor fünf Jahren wurde das stationäre Hospiz Esslingen der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde eröffnet. Dieses Jubiläum wurde jetzt mit einem kleinen internen Empfang für diejenigen, die heute in unterschiedlichster Form für das Hospiz tätig sind, gefeiert.

© U. Rapp-Hirrlinger

Susanne Kränzle begrüßt die Gäste

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Grußwort von Dekan Bernd Weißenborn

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Elisabeth Nill (l.) im Gespräch

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Wolfgang Drexler: "Das Hospiz hat in Esslingen etwas verändert"

Zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer, ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Vertreter der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen als Träger und aus der Kommunalpolitik sowie der Kooperationspartner waren der Einladung gefolgt.

Susanne Kränzle, die Gesamtleiterin des Hospiz, erinnerte an die Aufbruchsstimmung der Anfangszeit, als es galt, „das Haus mit all dem zu füllen, was für einen guten Betrieb nötig war“. Diese Zeit sei auch eine gute Begegnungsmöglichkeit zwischen den neuen Hauptamtlichen und den vielen Ehrenamtlichen gewesen, die schon seit vielen Jahren in der ambulanten Hospizarbeit engagiert sind. Rund 2000 Menschen waren dann zum Eröffnungswochenende Anfang April 2014 gekommen.

Mehr als 500 Menschen sind in den fünf Jahren seit der Eröffnung im Hospiz aufgenommen worden. In der gleichen Zeit wurden jedoch rund 650 Menschen vom ambulanten Hospizdienst zuhause, im Pflegeheim oder Krankenhaus begleitet. Der ambulante Dienst wird von drei Hauptamtlichen und rund 70 Ehrenamtlichen geleistet. „Menschen zu helfen, dass sie in ihrer gewohnten Umgebung sterben können, ist unsere Hauptaufgabe“, betonte Kränzle. Das stationäre Angebot von acht Plätzen sei eine wichtige Ergänzung. „Ich hatte nie Sorge, dass es das stationäre Hospiz nicht braucht.“ Dies betonte auch Annemarie Grammenos, stellvertretende Vorsitzende und Gründungsmitglied des Fördervereins Hospiz Esslingen. „Ich freue mich, dass das Haus so gut gelungen ist.“

24 hauptamtliche Pflegekräfte und zwei Hauswirtschafterinnen, aber auch etliche ehrenamtliche Hospizmitarbeiterinnen kümmern sich um das Wohl der Patienten, die im Hospiz Gäste genannt werden. Seit fünf Jahren sei das Team nahezu stabil, freute sich Kränzle. Ein Zeichen für die gute Stimmung im Haus. Nach fünf Jahren gebe es eine gute Routine in den Abläufen. „Das lässt Platz für Individualität und Zeit für die Gäste.“ Gastfreundschaft, Achtsamkeit und Geborgenheit sind wichtige Kriterien für die Arbeit im Hospiz.

Die vielen Spenderinnen und Spender sowie zahlreiche Kooperationspartner trügen ebenfalls dazu bei, dass das Hospiz erfolgreich arbeiten könne: „Viele Menschen helfen zusammen, dass hier gut gelebt und gut gestorben werden kann“, so Kränzle.

Dekan Bernd Weißenborn von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde erinnerte sich ebenfalls gerne an den Tag der Eröffnung und die Überraschung, als Dr. Hartmann Würz, der damalige Vorsitzende des Fördervereins, plötzlich einen Scheck über 410 000 Euro aus einem Vermächtnis präsentierte. „Das war fast genau die Summe, die uns noch fehlte“, erzählte Weißenborn. Würz, der vor fast genau zwei Jahren im Hospiz verstarb, habe sich über viele Jahre stark für das Hospiz eingesetzt. „Doch vor allem auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben das Haus zu dem gemacht, was es jetzt ist.“

Er schaue mit großer Dankbarkeit auf die vergangenen fünf Jahre, sagte Weißenborn. Heute könne sich das Hospiz über viel Anerkennung in Esslingen aber auch im Landkreis freuen. Er betonte, dass das Hospiz, wenn auch in evangelischer Trägerschaft, in einem guten ökumenischen Geist geführt werde. Es steht Menschen unabhängig von Konfession, Religion, Weltanschauung oder Lebensform offen. „Ein weites Herz ist uns wichtig“, sagte der Dekan. Das Hospiz wolle aber nicht nur Menschen am Lebensende ein Sterben in Würde ermöglichen, sondern auch gesellschaftspolitisch wirken, sagte Weißenborn. Sichtbarer Ausdruck, dafür sei etwa, dass Susanne Kränzle beim Bundesverfassungsgericht als sachkundige Person für Sterbehilfe gefragt sei.

Für Wolfgang Drexler, ehemaliger Landtagsabgeordneter und SPD-Stadtrat in Esslingen, hat das Hospiz in der Stadtgesellschaft Wesentliches verändert. „Seit es das Hospiz in Esslingen gibt, beschäftigen wir uns deutlich mehr mit dem Thema Sterben.“