08.04.19

„Freud- und Leid-Kasse“ kommt Sterbenden zu Gute

Die Esslinger Firma Citizen Machinery spendet 5000 Euro an das Hospiz.

© U. Rapp-Hirrlinger

S. Schulze, M. Reißig, E. Zandona, B. Walter, V. Neumeister und B. Weißenborn (v.l.)

Über viele Jahre haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Esslinger Firma Boley in die sogenannte „Freud- und Leid-Kasse“ einbezahlt. 1992 wurde die Firma vom Maschinenbauer Citizen übernommen. Inzwischen brauche man diese Kasse nicht mehr, sagt Veronika Neumeister, die in der Geschäftsleitung für die Finanzen zuständig ist. „Wenn heute jemand Geburtstag hat, sammeln wir unter den Mitarbeitern.“ Deshalb haben Geschäftsleitung und Betriebsrat nun beschlossen, die darin enthaltenen 5000 Euro an das Hospiz Esslingen zu spenden – „auch, um den alten `Boleyanern´ zu danken, die das Geld angesammelt haben“, erklärte Neumeister. Diese wären jetzt in einem Alter, in dem sie eine Einrichtung wie das Hospiz brauchen könnten. „Das Beste ist natürlich, wenn Menschen zuhause sterben können. Doch es ist schön, dass Menschen, denen das nicht möglich ist, ihren letzten Weg im Hospiz in entspannter Umgebung ganz bewusst gehen können, gut umsorgt von Menschen, die Verständnis für ihre Situation haben“, betont Neumeister.

Sie und Geschäftsführer Markus Reißig übergaben gemeinsam mit den Betriebsratsmitgliedern Barbara Walter und Enrico Zandona einen Scheck an Dekan Bernd Weißenborn und Sylvia Schulze, die stellvertretende Leiterin des stationären Bereichs im Hospiz. „Dies ist eine große Unterstützung unserer Arbeit“, erklärte Weißenborn. Denn nicht nur der Bau des Hauses wurde überwiegend aus Spendengeldern finanziert, sondern auch das Defizit aus dem laufenden Betrieb von bis zu 200 000 Euro pro Jahr wird über Spenden getragen.

„Neben dem Geld ist uns jedoch wichtig, dass das Anliegen des Hospiz, ein Sterben in Würde zu ermöglichen,  in die Gesellschaft getragen wird. Dies tun Sie, indem Sie uns als in Esslingen ansässige Firma unterstützen“, meinte der Dekan an die Spender gewandt. „Sie haben eine schwere Aufgabe. Ich weiß nicht, ob ich das könnte“, gab Reißig zu. Und er fragte, ob es nicht viele Ängste gebe, ins Hospiz zu kommen. Anfangs hätten viele Menschen Angst, das Hospiz zu betreten, weiß Schulze. Doch die helle und freundliche Atmosphäre trage dazu bei, diese rasch zu zerstreuen. Im Hospiz sei Zeit, sich den Gästen zu widmen und auf ihre Wünsche und Sorgen einzugehen. Und deshalb gehe es im Haus durchaus auch fröhlich zu, etwa wenn am großen Tisch in der Wohnküche gemeinsam gegessen wird. „Natürlich werden die meisten Menschen, die im Hospiz leben, hier sterben. Aber zum Leben gehört auch Fröhlichkeit.“