05.11.20

Hülle und Fülle: Eine „Glückshaut“ fürs Hospiz

„Hülle und Fülle“ ist der Titel einer ökumenischen Kunstausstellung mit künstlerisch gestalteten Mänteln der Lörracher Künstlerin Astrid J. Eichin, die noch bis zum 29. November an fünf Orten in Oberesslingen zu sehen ist – in der Versöhnungs- und der Martinskirche, in St. Albertus Magnus, im Klinikum und im Hospiz.

© A. Jetter-Laub

© A. Jetter-Laub

„Glückshaut“ hat die Künstlerin den aus goldenen Fäden gewirkten Mantel genannt, der im Hospiz ausgestellt ist und den auch Außenstehende durch die großen Glasscheiben rechts vom Eingang betrachten können. Abends zwischen 17 und 19 Uhr ist das Kunstwerk beleuchtet.

Einen Mantel, lateinisch „pallium“, auszustellen, passe gut ins Hospiz, sagt Annette Jetter-Laub, die Leiterin des ambulanten Bereichs. Denn ummanteln oder palliativ versorgen, das ist das Konzept der Hospizarbeit.

Auch wenn man das Hospiz nicht auf den ersten Blick mit Glück oder Glücksmomenten in Verbindung bringe, stellten sich doch in der Hospizarbeit immer wieder Fragen, die sich mit der Lebensqualität beschäftigten. Was macht unser Leben wertvoll? Das fragen sich nicht nur Menschen, die ihre letzte Zeit im Hospiz verbringen, sondern auch diejenigen, die sie umsorgen. Annette Jetter-Laub hat eine klare Antwort: „Das Leben, das uns geschenkt wurde, ist wertvoll.“ Dies drücke das goldene, kostbar glitzernde Gewand gut aus.

Und immer wieder sind es die kleinen Dinge, die im Hospiz Glücksmomente hervorbringen – der Grießbrei mit Zimt, den sich ein Gast wünschte, fröhliche Gespräche am großen Tisch in der Wohnküche oder wärmende Sonnenstrahlen beim kurzen Gang in den Garten. Die Kunst liege oft darin, solche Augenblicke wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben.

Die „Glückshaut“ von Astrid Eichin birgt zudem Raum für ganz persönliche Glücksmomente. 300 Plexiglasröhrchen sind ins Gewand eingenäht. Betrachter können ihre Glücksmomente notieren und die Zettel in die Röhrchen stecken.

„Dieses Gewand ist kein Kleidungsstück für alle Tage. Es mag uns erinnern an viele kostbare Augenblicke, die das Leben in unsere Hände legt“, so Jetter-Laub.

Ermöglicht hat die Ausstellung im Hospiz der Förderverein Hospiz Esslingen.

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