04.03.14

„Wer das Sterben bedenkt, wird klug für das Leben“

„Das Hospizhaus in so prominenter Lage an einer vielbefahrenen Straße ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass Leben und Tod zusammengehören. Hier wird der Tod mitten ins Leben geholt“, sagt die frühere Esslinger SPD-Landtagsabgeordnete und Stadt- und Kreisrätin Elisabeth Nill. Weil ihr dies ein wichtiges Anliegen ist, unterstützt sie das Hospiz nicht nur ideell, sondern auch durch den Verkauf ihrer Bilder.

Elisabeth Nill - Foto: URH

Die heute 82-Jährige ehemalige Lehrerin am Esslinger Schelztor-Gymnasium hat nach einer schweren physischen und psychischen Krise vor Jahren begonnen, sich intensiv mit Sterben und Tod zu beschäftigen. „Wer das Sterben bedenkt, wird klug für das Leben. Jede Stunde in unserem Leben wird kostbar, wenn der Tod unser Lehrmeister sein darf“, sagt sie. Für ältere Menschen bedeutet das zudem, rechtzeitig Vorsorge zu treffen, wo sie die letzte Zeit ihres Lebens sein können. Für todkranke Menschen könne ein solcher Ort das Hospiz sein, „eine Herberge, weil ein Ort der Verlässlichkeit, der Zuwendung und der fachlich kompetenten Begleitung“. Und auch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des ambulanten Bereiches, die viele Menschen zu Hause, in Krankenhäusern und Pflegeheimen begleiteten, trügen dazu bei, den Tod ins Leben zu holen.

 

Malen erschließt Kraftquellen

 

Elisabeth Nill hat nach ihrer Krise durch das Malen bei einer Kunsttherapeutin ihre inneren Kraftquellen entdeckt. „Seelenbilder, Trostbilder“ seien so entstanden. Später kamen Tanzen und Lyrik hinzu, Gesang war ihr schon immer wichtig. Wie sehr ihr die Kunst half, zeigt sich auch in ihren Bildern: „Anfangs habe ich nur in schwarz-grau gemalt, heute liebe ich kräftige bunte Farben.“

 

Sie hofft, dass auch die Gäste im Hospiz durch das Malen möglichst mit Unterstützung einer Kunsttherapeutin Kraft schöpfen können, wenn sie dies wollen. „Malen kann man bis ans Lebensende, auch in Gebrechlichkeit. Manche Schwerstkranken können nicht mehr sprechen, aber noch malen.“ So könnten durch den bildlichen Ausdruck auch ungelöste Konflikte bearbeitet werden.

 

Elisabeth Nill ist dankbar für das, was ihr die Malerei gibt. Aus diesem Grund will sie der Gesellschaft etwas zurückgeben. Deshalb hat sie schon mehrmals ihre Bilder zu Gunsten des Hospizes verkauft, auch wenn sie sich schwer von ihnen trennt. „Ich möchte durch meine Bilder Menschen ermutigen, sich auf die Suche nach den eigenen kreativen und spirituellen Kraftquellen zu machen.“ Letztlich gehe es darum, Ressourcen zu finden zum Leben und auch zum Sterben. Sie wolle „gerade als alter Mensch“ ein Zeichen setzen. Das Wort von Marc Chagall leitet sie: „Solange wir das Leben haben, sollen wir es in den uns eigenen Farben der Hoffnung und der Liebe malen.“

 

Wir sitzen alle in einem Boot

 

Elisabeth Nill, die sich selbst als „kritische, offene Christin“ bezeichnet, die sich in ihrer Kirchengemeinde Hegensberg-Liebersbronn gut aufgehoben fühlt, gefällt es, dass das Hospiz Esslingen in kirchlicher Trägerschaft der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde ist. Genauso aber schätzt sie das Konzept der Offenheit gegenüber allen Religionen und Überzeugungen. „Es zeigt, dass wir auf der Welt alle in einem Boot sitzen.“

 

Benefizverkauf am 15. März


Am Samstag, 15. März, verkauft Elisabeth Nill von 9.30 Uhr bis 18 Uhr 74 eigene Acryl- und Aquarellbilder im Gemeindezentrum Ertinger-Haus gegenüber der Martinskirche in Oberesslingen, Keplerstr. 41. Der Erlös kommt in voller Höhe dem Hospiz zu Gute.