02.01.13

„Manchmal reicht es, einfach da zu sein“

„Manchmal ist es ein schweres Ehrenamt, weil man das Leid, das man sieht, nicht an der Garderobe abgeben kann wie einen Mantel“, sagt Gisela Axmann über ihr Engagement in der ambulanten Hospizarbeit in Esslingen. Doch es ist eine erfüllende Aufgabe, daran lässt die 62-Jährige Esslingerin keinen Zweifel. Die Mutter zweier Söhne und Großmutter von sechs Enkeln begleitet nicht nur sterbenskranke Menschen und ihre Angehörigen, sie ist auch beratendes Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Hospiz Esslingen. Die Diplom-Sozialarbeiterin hat zuvor lange beim Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt Esslingen gearbeitet.

Gisela Axmann - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

Gisela Axmann - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

Als ihre Eltern pflegebedürftig wurden, hat Gisela Axmann gemerkt, wie wichtig die Unterstützung für Angehörige ist. „Ich suchte Orientierung beim Umgang mit dem Sterben“, erzählt sie, wie 2006 der Entschluss fiel, die Ausbildung zur Hospiz-Mitarbeiterin zu absolvieren. Ihr Vater war dann die erste Person, die sie in den Tod begleitet hat.

 

Diese Erfahrung hilft ihr bei der Begleitung anderer Menschen: „Ich kenne die Situation der Angehörigen aus eigener Betroffenheit. Andererseits bringe ich eine gewisse Distanz mit, die es mir ermöglicht, den Überblick in den oft schwierigen Situationen zu behalten und so den Angehörigen besser zu helfen. Diese seien oft unsicher im Umgang mit den Sterbenden. Gisela Axmann löst sie am Krankenbett ab oder ist Ansprechpartnerin für ihre Nöte und Fragen.


Menschen ein Sterben in Würde zu ermöglichen, ist das Hauptanliegen der Hospizarbeit. Ein- bis zweimal pro Woche ist Gisela Amann in der Regel in Kliniken, Pflegeheimen oder auch Privathaushalten im Einsatz. Ist der Sterbende noch bei Bewusstsein, kann sie erfragen, was er sich wünscht: ein Gespräch oder ein Gebet, ein Lied oder ein Gedicht. Manchmal reiche es, die Hand zu halten und einfach da zu sein.

 

Ehrenamtliche unterliegen der Schweigepflicht

 

Zuweilen gebe es auch unerledigte Dinge, die ein Sterbender noch auf dem Herzen habe. Dann ist die Schweigepflicht, der die Hospizmitarbeiterinnen unterliegen, besonders wichtig. „Wenn man jemanden über längere Zeit begleitet entsteht oft eine Beziehung, dann erzählt der Sterbende aus seinem Leben. Dabei kommen auch Dinge zur Sprache, die man mit der Familie vielleicht nicht bespricht.“


Schwieriger sei es, wenn ein Mensch nicht mehr ansprechbar sei. „Leider begleiten wir sehr viele Menschen, über die wir wenig wissen.“ Dann nähert sie sich ganz behutsam an und versucht zu erspüren, was dem Kranken guttut. Oft stellt sie fest, „dass Leute ruhiger werden, wenn sie unsere Anwesenheit spüren“. Überhaupt gehe man davon aus, dass Sterbende noch viel von ihrer Umgebung mitbekämen.

 

Gläubige Menschen sterben ruhiger


Auch wenn die Hospizarbeit von der Kirche getragen werde, macht Gisela Axmann klar: „Wir sind keine Betschwestern.“ Der Wunsch des Patienten allein zähle. Doch sie hat beobachtet, „dass gläubige Menschen meist ruhiger sterben, weil sie leichter loslassen können.“ Konfessionen spielten im Sterben meist keine Rolle mehr.


Die Hospizarbeit hat Gisela Axmann verändert: „Durch die ständige Beschäftigung mit dem Tod bin ich irdischen Gütern nicht mehr so verhaftet.“ Der Austausch mit anderen Hospiz-Mitarbeitern ist wichtig, um das Erlebte zu verarbeiten. Doch bei allem Schweren gibt es auch schöne Erlebnisse: „Wenn ein Mensch friedlich und entspannt sterben kann, weil er innerlich mit sich im Reinen ist, ist das ein ganz besonderer Moment.“

 

Hospizteam braucht dringend Unterstützung

 

Das Team des ambulanten Hospizdienstes Esslingen – derzeit 47 Frauen und sechs Männer – kann Unterstützung dringend gebrauchen. Vor allem auch Männer, die ihre Geschlechtsgenossen begleiten können, werden benötigt. Ein Vorbereitungskurs für ehrenamtliche Hospizmitarbeiterinnen und –Mitarbeiter findet von Januar bis Juli 2013 statt. Der Kurs umfasst etwa 90 Stunden und ein dreitägiges Praktikum. Kontakt: Erika Dionisius, Tel. 0711 – 9319797 oder Hospiz.esslingendontospamme@gowaway.t-online.de